Senioren sind die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe in Europa und die Hauptnutzer von Arzneimitteln. Erwachsene sind die größten Verbraucher von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, aber mit zunehmendem Alter sind sie auch anfälliger für unerwünschte Arzneimittelwirkungen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation hat die Therapietreue (Adhärenz) einen größeren Einfluss auf die Ergebnisse der Patienten als die Behandlung selbst, da sie sich auf die Lebensqualität, die Behandlungsdauer, die Gesundheitsergebnisse und die Gesundheitsausgaben auswirkt. Mangelnde Therapietreue trägt zu 50 Prozent der Behandlungsfehlern bei. Die Einhaltung der verordneten Behandlung erhöht die Wahrscheinlichkeit des Behandlungserfolges und die Wirksamkeit der Behandlung.
Umgang mit Krankheiten:
Für Menschen mit chronischen Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck sind die Einhaltung der
medikamentösen Therapie und die Änderung des Lebensstils sehr wichtig, um die Krankheit zu kontrol
lieren, Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität zu verbessern.
Vorbeugung von Komplikationen:
Die Nichteinhaltung von Therapiemaßnahmen kann zu schwerwiegenden Komplikationen, zum
Fortschreiten der Erkrankung, zu Krankenhausaufenthalten und sogar zum vorzeitigen Tod führen. Die
konsequente Einhaltung von Therapie- und Behandlungsplänen kann dazu beitragen, diese negativen
Folgen zu vermeiden.
Moderne Arzneimittel haben dazu beigetragen, dass wir heute länger leben, gesünder sind und unsere Lebensqualität insgesamt deutlich verbessert wurde. Arzneimittel sind die häufigste Behandlung für viele Krankheiten und Leiden von Senioren. Arzneimittel ermöglichen heute nicht nur die Behandlung von Krankheiten, die noch vor wenigen Jahren unheilbar waren, sondern sie helfen auch, Krankheiten frühzeitig zu diagnostizieren, lebensbedrohliche Krankheiten zu verhindern, Schmerzen und Leiden zu lindern und unheilbar kranken Menschen die letzten Tage ihres Lebens angenehmer zu gestalten. Durch Alterung und Behinderung bedingte Veränderungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen mit Arzneimittel-Problemen konfrontiert werden. Pflegende können eine wichtige Rolle bei der Erkennung tatsächlicher oder potenzieller arzneimittelbe zogener Probleme spielen. Diese Unterstützung kann dazu beitragen, kostspielige und unbeabsichtigte negative Folgen der Medikamenteneinnahme zu vermeiden, wie z. B. die Einweisung in Krankenhäuser, betreute Wohneinrichtungen oder Pflegeheime. Senioren können bei der Einnahme von Arzneimitteln auf Schwierigkeiten stoßen.
Das Gedächtnis:
Senioren können Schwierigkeiten haben, sich an die Medikamenteneinnahme zu erinnern. Apotheken können eine Reihe von speziellen Medikamentenboxen oder anderen Hilfsmitteln zur Verfügung stellen, um Pflegenden und Senioren an die Einnahme der Medikamente zu erinnern. Die Palette der Hilfsmittel reicht von einfachen Behältern mit beschrifteten Fächern für die Essens- und Schlafenszeiten bis hin zu Hightech-Geräten, die piepen, wenn es Zeit für die Einnahme ist. Bei Menschen mit Gedächtnisproblemen sind die Pflegenden der Schlüssel, um sicherzustellen, dass alle Medikamente korrekt verabreicht werden.
Sehsinn:
Schwierigkeiten beim Lesen von Rezepten; Apotheken können verschreibungspflichtige Etiketten in Großdruck ausstellen. Pflegende können Informationen für sehbehinderte Senioren vorlesen. Auch eine Lupe kann hilfreich sein.
Hörsinn:
Schwierigkeiten, die Anweisungen von Pflegenden oder des medizinischen Personals zu verstehen. Pflegende können auch die „Ohren“ hörgeschädigter Senioren sein.
Manuelle Fähigkeiten:
Schwierigkeiten beim Öffnen von Flaschen oder Tabletten zu brechen, Probleme bei der Verwendung von Medikamenten wie Augentropfen, Inhalatoren für Lungenkrankheiten und Insulininjektionen. Diese Probleme treten häufig bei Menschen mit Arthritis und bestimmten Arten von Behinderungen auf. Für verschreibungspflichtige Medikamente gibt es große, leicht zu öffnende Flaschenverschlüsse. Bei der Verabreichung von Augentropfen, Inhalation-Medikamenten, Injektionen und anderen Darreichungsformen, die feinmotorische Fähigkeiten erfordern, sind Pflegende unverzichtbar.
Schlucken:
Schwierigkeiten beim Schlucken von Tabletten oder Kapseln; viele rezeptpflichtige und rezeptfreie Arzneimittel sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, z. B. als Flüssigkeit, Pflaster oder Zäpfchen, wodurch die Schluckbeschwerden erheblich verringert werden.
Tagesplanung der Medikamenteneinnahme:
Eine der größten Herausforderungen für Senioren und ihre Pflegenden ist die Koordination der
Medikamenteneinnahme mit dem Tagesablauf. Die oben beschriebenen speziellen Medikamentenboxen und andere Hilfsmittel können dabei helfen. Es ist wichtig, einen Medikamentenplan zu erstellen, der dem Tagesablauf der Senioren entspricht. Wenn z.B. die Essens- und Schlafenszeiten regelmäßig festgelegt sind, können diese als Anhaltspunkte für die Planung der Medikation dienen. Ein sehr häufiges Problem bei der Einnahme von Medikamenten ist die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente, die auch als „Polypharmazie“ bezeichnet werden. Forschung hat gezeigt, dass je mehr Medikamente eine Person ein nimmt, desto größer ist das Risiko für arzneimittelbezogene Komplikationen. Für die meisten Senioren ist Polypharmazie die Norm. Viele chronische Erkrankungen (Diabetes, Herzerkrankungen, Parkinson, Arthritis, Inkontinenz, Bluthochdruck, Lungenerkrankungen, Osteoporose, Alzheimer) erfordern häufig die Einnahme mehrerer Medikamente. Der Schwerpunkt sollte auf der Eignung, Wirksamkeit und Sicherheit aller verschreibun gspflichtigen und nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel liegen.


